Mauretanien – Sand und Staub

Mauretanien – Sand und Staub

26.01.2019 – 02.02.2019

Diesmal: Steinwurfschlacht mit Arschlochkindern und schöne Landschaften

Ich erzähle es mal alles chronologisch, daher kommt das Highlight des Artikels irgendwo in der Mitte.

Niemandsland hatten wir ja schon, jetzt der eigentliche Grenzübertritt nach Mauretanien. Ich machs kurz, für die längere How-to-do-it-Version verlinke ich mal frech hierhin. Marokkanische Seite: Ausstempeln, Auto röntgen, Zoll Papier abstempeln, rausfahren. Niemandsland: Durchfahren. Oder Kippen kaufen. Ich würde davon abraten rechts vom Weg eine Pinkelpause einzulegen. Mauretanien: Einstempeln, Visa holen, Zollkram erledigen, evtl. Geld tauschen und Versicherung fürs Auto kaufen. Weiterfahren. Man braucht keinen der sich zahlreich anbietenden Fixer, die stehen genauso in der Schlange.

Nouadhibou

Auf dem Weg nach Nouadhibou sieht alles aus wie auch in der Westsahara. Nicht besonders aufregend. Das ändert sich aber schlagartig, sobald man in die Stadt reinfährt. Ich glaube hier fängt Afrika an. Die meisten Leute, die wir auf der Straße sehen, sind Schwarzafrikaner. Die Stadt riecht nach Pansen, ein Auto sieht runtergerockter aus als das andere. Größtenteils alte Mercedes Limousinen. Die Ziegen fressen Plastebeutel. Jeder ist am wuseln. Keiner hängt rum und trinkt Tee. Wunderbar, richtig gut hier! Die gewisse Ordnung die Marokko doch hatte, ist sofort verflogen und bei uns stellt sich ein Gefühl von Jetzt-gehts-los ein.

Nach zwei Nächten hier ging es dann weiter in Richtung Atar. Ein kurzer Blick auf die Karte verrät, dass es keine direkte Verbindung zwischen den beiden Städten gibt, aber man kann durch die Wüste, 450 Kilometer immer an den Gleisen der wohl längsten Bahn der Welt entlang, bis dorthin fahren. Wir haben noch einen extra 20 Liter Kanister mit fragwürdigen Restrückständen gekauft, um dann insgesamt auf 110 Liter Diesel zu kommen. Spoiler: war nicht genug. Wenigstens ausreichend Wasser haben wir mitgenommen.

Auf nach Atar, dem Zug hinterher

Die 80 Kilometer bis Bon Lanuar gabs noch Teerstraße, dann nicht mehr. Hier haben wir nochmal den Tank vollgemacht, weil dank konstantem Gegenwind schon wieder ein Viertel weg war. Spoiler: der Gegenwind ging nicht weg.

Irgendwann hatten wir dann hinter dem Barackendorf den Zugang zur Piste gefunden, bzw die Dünen, welche wir als diesen vermuteten. Rausgefunden haben wir es nie. Denn schon kurz nach dem Dorf folgten uns die ersten Kinder mit ihren “Cadeaux, Cadeaux” Rufen, um uns dazu zu bewegen, ihnen irgendwas zu schenken. Ursprung hat dies in der widerlichen Angewohnheit einiger Afrikafahrer, hier , wie auch anderswo in Afrika, seit Jahrzehnten den White Knight zu spielen und die Einheimischen mit “wohlgemeinten” Geschenken zu “beglücken”. Unsere Einstellung zu der Thematik sollte klar sein.

Zurück zu den Kindern: No cadeaux – es flog der erste Stein ans Auto, als wir weiterfuhren. Ich raus, alle Kinder rennen. Wir sind dann weiter und wollten die erste Sanddüne hochfahren. Vorher aber erstmal Luft aus den Reifen lassen. Nach ein paar Minuten sammelten sich wieder 5-8 Kinder in ca. 100 Metern Entfernung und kamen näher. Diesmal zwei davon mit Zwillen. Der Rest warf Steine. Gut, dass die Kinder mit ihren Ärmchen nicht so weit werfen können. Aber mit den Zwillen können sie umgehen. Also hab ich mir die Axt geschnappt, Steine gesammelt und die ausgewachsenen Arschlöcher weiter vom Auto weggetrieben, damit Tanja die Luft ablassen konnte. So ging das für wohl 15 Minuten. Untermalt wurde das ganze von “Ey nigga, fuck yourself”, “Fuck your papa”, “Fuck your mama” Rufen und wiederholtem am-Genital-Rumgespiele. Nicht von mir, nein, sondern von den 8-12 jährigen. Dazu das Zischen der Steine aus den Zwillen um mich herum. Das mit der Düne konnten wir in dem Moment vergessen, wir mussten wieder umdrehen. So schnell wie die Kinder gekommen waren, sind sie in diesem Moment auch wieder gerannt. Ich habe dann auf Maps.Me noch einen Track ein paar Kilometer weiter südlich gefunden, der ebenfalls auf unsere Strecke führte. Den haben wir dann auch genommen. Hätte ich ja mal früher drauf kommen können.

Endlich fahren

Und ab ging die wilde Wüstenfahrt. Nach dem bisherigen Wortschwall fasse ich mich kurz und lasse die Bilder für sich sprechen. Es geht durch unendliche Wüstenlandschaften, abwechslungsreich, denn die Wüste ist mehr als nur Sanddünen. Der mehrmals vorbeifahrende Zug verschwindet auf der einen Seite schon im Dunst des Horizonts und das Ende ist auf der anderen Seite immer noch nicht zu erahnen. Das oftmals beschworene, meist romantisch verklärte Wesen einer Wüste offenbart hier schon eine gewisse Wahrheit. Es ist einfach nur ein traumhaft schöner Fleck Erde. Alles ist ruhig und niemand geht dir auf den Zeiger. Nur ein paar Dromedare. Wenn es in diesem Land ausreichend Bier gäbe, könnte man hier unendlich viele Abende verbringen.

Vom Fahrerischen her hatten wir schon anspruchsvollere Offroad-Strecken, aber einfach nur durch die Dünen driften macht auch Spaß. Was uns zum lieben Diesel bringt. Wie oben schon erwähnt, sollten die 110 Liter nicht reichen. Ich wusste allerdings, dass auf der Hälfte der Strecke irgend eine Art von Behausung kommt, wo wir eventuell Diesel kaufen könnten. Die Behausung stellte sich als das übliche Barackendorf dar und der Diesel als.. naja, keine Ahnung. Sehr dunkel, roch komisch, aber was willste machen. Die Karre hat sich bis heute noch nicht beschwert.

Eindrücke von Atar und Umgebung gibt es dann im nächsten Beitrag.

Mehr Bilder werden sich dann wieder hier ansammeln und die Route gibts hier.

6 Gedanken zu „Mauretanien – Sand und Staub

  1. Haben mit der Omma gerade eure Bilder mal angeschaut und sie hat gestaunt, was ihr euch so traut. Weiter gute Reise und kommt heil wieder, sagt sie.

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