Angola V -Wüste trifft Ozean

Angola V -Wüste trifft Ozean

01.11.2019 – 16.11.2019

Diesmal: 1000 Meter steil abfallende Felsklippen und 170 Kilometer Piste zwischen Salzwasser und Wüste

Angola hats uns ja anfangs echt ein wenig schwer gemacht, sich dann aber immer weiter zu einem unserer Lieblingsländer auf dieser Reise entwickelt. Von daher folgt nun: der krönende Abschluss!

Aber wie das halt so in (West)Afrika ist, beginnt es mal wieder mit irgendwas, das nicht so läuft wie geplant. Diesmal ganz simpel, wars die Wäsche. Die Klamotten, die mal wieder gewaschen werden mussten. Also Waschsalon mit heißem Wasser und Strom finden (diese Kombi gibts eh selten) und den Kram waschen und trocknen lassen. Sollte am nächsten Tag fertig sein. Eigentlich recht easy. Eigentlich. Strom ist ausgefallen oder whatever, auf jeden Fall war nix fertig und unsere Abfahrt in Richtung Namibia durch den Iona-Nationalpark um einen Tag verschoben.

Am nächsten Tag waren dann auch die Klamotten fertig, wir also nochmal schnell in den örtlichen Supermarkt, um uns für die nächsten Tage mit Zeug einzudecken. Dann gabs wieder das übliche Spielchen an der Kasse: Stehste in der Schlange, wirste angequatscht: “Ja bla bla, ja Touristen, ja das Blaue auf dem Parkplatz ist unser Auto.” Ich schon wieder so eine Fresse (das konstante Angelabertwerden nervt halt). Und er dann so : “Habt ihr Bock mit uns den Doodsakker zu fahren?” Und ich so: “…wat?”

Kurze Erklärung: Die Namibwüste erstreckt sich nicht nur entlang der namibischen Küste (mach Sachen), sondern in der nordwestlichen Ausdehnung auch entlang der südangolanischen Küste für ca 200 Kilometer (bis kurz vor Namibe, der Ort). Klingt kompliziert, ein Blick auf die Karte hilft aber. Nun gibt es die Möglichkeit, diesen Abschnitt auf der angolanischen Seite direkt am Strand lang zu fahren, rechts das Meer, links ewig hohe Dünen. Dazwischen du mit der Karre und dem einen Versuch, durch diesen Abschnitt zu kommen, bevor die Flut die Dünen erreicht und dir das Auto klaut. Der wirklich heikle Teil sind ca. 45 Kilometer, auch Doodsakker oder DeathAcre genannt, der nur bei Ebbe befahrbar ist (aka wenn das Wasser ca 2 Meter von den Dünen entfernt ist). Wer das zeitlich nicht schafft, säuft ab. Eingefasst sind diese 45 Kilometer in einer Gesamtstrecke von 170 Kilometern, die immer am Meer über Dünen und Tiefsand entlang gehen. Also alles eine Frage des Gezeitentimings und nem ordentlichen Fahrzeug.

Wir wollten diese Tour fahren, seitdem wir davon in Luanda gehört hatten! Haben uns aber tierisch eingekackt, ob der eben genannten Umstände in Verbindung mit unserem 4 Tonnen-Gefährt mit 82PS, 150Nm Krüppelmotor und wollten das nur in Verbindung mit ner anderen Karre fahren, die uns da rausziehen kann im Fall der Fälle. Ne andere Karre gabs aber nicht. Wo keinen anderen Reisenden sind, kann man auch mit keinem zusammen fahren. Also hatten wir beschlossen, die Tour nicht zu fahren. Vernünftig zu sein und so. Wir brauchen das Auto schließlich noch.

Zurück zum Typen im Supermarkt: Stehste da Morgens mit ner Milch in der Hand und willst losfahren, um das Land nach 2 Monaten zu verlassen, und aus dem Nichts ergibt sich genau die Möglichkeit, auf die du gewartet hast. Andere würden jetzt was von Buddha und Universumbla erzählen. In unserem Fall war es unsere Karre, die den Jungs auf dem Parkplatz aufgefallen ist und wir als einzige im Supermarkt so aussahen, als ob das unsere sein könnte.

Die vier sind Südafrikaner, die in Angola Offroadtouren für Touristen anbieten. Weil sie noch coole Promobilder brauchten, haben sie uns kurzerhand eingeladen. Yay!

Los gings also. Zwei Landcruiser und ein glorifizierter Gemüsetransporter. Das könnte jetzt ganz interessant für die ganzen “Facebook Warrior” werden, die der Meinung sind, dass Kastenwagen keine Geländewagen sind. Pfff.

Reifendruck runter auf 1 Bar und ab gings, immer am Strand lang. Geplant war eine Übernachtung in den Dünen, um dann am nächsten Morgen (5 Uhr!!) die Ebbe zu erwischen und die 45 Kilometer Doodsakker hinter uns zu bringen. Die Jungs mit den Cruisern wussten allerdings noch nicht, dass wir krass langsam sind. 40 km/h max mit Untersetzung. Ohne konntestes auch gleich sein lassen im weichen Sand. Aber alles kein Problem. Kann man sich schön die Robben und Schakale angucken, die vor dem Konvoi flüchten.

Weiterhin gab es die ersten Dünen zu überqueren, sicherlich um die 30-40 Meter hoch, aber erstaunlich fest. Nur einmal fast runtergefallen. Das war dann aber auch ne hässlich weiche Stelle. Geht alles, und es stellt sich mal wieder die Gewissheit ein, das Sand nicht gleich Sand ist und Düne nicht gleich Düne. Schön zu sehen beim folgenden Foto:

Die Nacht in den Dünen. In der Entfernung rauscht der Ozean, von den Dünen Richtung Osten gibts nur noch mehr Dünen in den abgefahrensten Orangetönen. Das ist nochmal ne andere Nummer als die Sahara in Mauretanien. Lagerfeuer und ne ordentliche Portion Schnaps. Drei Stunden Schlaf.

Doodsakker dann also mit Restsuff. Aber bloß gut. Im Nachhinein muss ich sagen, wäre das komplett nüchtern noch ne wesentlich haarsträubendere Angelegenheit gewesen. Ein Landcruiser vor, dann wir, dann der zweite Landcruiser. Soviel Geschwindigkeit wie möglich, nur mal kurz anhalten zum Fotomachen in der ganzen Aufregung. Links die 150 Meter hohen Dünen, rechts das Meer. Neben dem Reifen, unter dem Reifen, auf der Winschutzscheibe. Aufgrund einiger doch sehr engen Streckenabschnitte und der generellen Schieflage des Strandes war es teilweise nicht zu vermeiden, doch mal ne Fuhre Salzwasser mitzunehmen. Der Unterboden freut sich. Der Landcruiser vor uns wankte den Strand entlang, Schräglage links, Schräglage rechts. Wir hinterher ohne Nachzudenken. Eine gewisse Seefahrtsstimmung kam auf.

So ging das eine ganze Weile bis sich irgendwann der Strand öffnete, die Dünne sich zurückzogen und man nun Ausweichmöglichkeiten weiter weg vom Meer hatte. Der Doodsakker war durchquert. War dann auch echt gut. Ich hatte sowas von keinen Bock mehr, im Spritzwasser zwischen Dünen und Meer zu fahren. Dezent aufregend. Aber hey, es war ja erst irgendwie 13 Uhr! Die Jungs mit den Landcruisern hatten nämlich noch mehr mit uns vor! Also weiter gings vom Foz de Cunene wieder ins Landesinnere und ab in die Steinwüste. Was für ein Unterschied, nur 100 Meter vom Meer entfernt.

Das Nachtlager haben wir dann direkt am Cunene-Fluss aufgeschlagen -Namibia auf der andern Seite, 200 Meter höher.

Am nächsten Tag legten wir dann die größte Distanz auf der gesamten Reise zurück: 430 Kilometer. Nein, nicht auf Teer, sondern 350 davon schön durch die Steinwüste mit viel zu wenig Diesel. Wir hatten zwar vor der Tour nochmal zwei 20 Liter Kanister gekauft. Die insgesamt 130 Liter Diesel haben aber nicht gereicht. Ich hab später mal ausgerechnet, dass uns die 170 Kilometer am Strand plus die 430 Kilometer Steinwüstenstrecke im Schnitt 40 Liter auf 100 km gekostet haben! Hat man auch nicht alle Tage. Gut, dass die Landcruiser ebenfalls Dieselmotoren hatten, da konnten wir uns dann nochmal 20 Liter extra raussaugen.

Den komplette Tag ging es also durch den Iona Nationalpark – was für eine grandiose Landschaft. Keine Leute, coole Tracks, ein gewisses Mondlanschaftsgefühl und ab und an ein paar Tiere in der Entfernung. Absolut zu empfehlen!

Für uns ging es dann noch einen kurzen Abstecher an die Küste für ein paar Tage, bevor wir uns über Lubango auf den Weg nach Namibia gemacht haben. In Anbetracht der Tatsache, dass ich jetzt keinen Bock mehr zu schreiben habe und die Gegend um Lubango zwar schön ist, aber bei weitem nicht so aufregend, wie das gerade Beschriebe, folgen einfach ein paar Bilder. Ja, wir sind wieder in Schottland.

Tschüss Angola, tschüss Westafrika. Jetzt kommt wohl der langweilige Teil Afrikas.

Alle Bilder aus Angola gibts hier. Unsere gefahrene Route könnt ihr hier nachvollziehen.

4 Gedanken zu „Angola V -Wüste trifft Ozean

  1. Da war Buddha aber wirklich an eurer Seite beim Ritt über den Doddsakker ! Ist wohl nur im Suff zu machen, man braucht ja schon beim Lesen einen Drink!

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