Zwei LKW und vier Nomaden mit Knüppeln im Dunkeln

Zwei LKW und vier Nomaden mit Knüppeln im Dunkeln

03.12.2018 – 10.12.2018

Oder: Man, sind die hier nett. Manchmal auch erst nachdem sich herausstellt, dass man nicht ihre Schafe oder Land klauen will. Aber dazu später mehr.

Von Algeciras nach Ceuta und weiter nach Marokko

Übersetzen nach Ceuta von Algeciras aus war easy peasy, die gebunkerte Schnapsladung hat dann auch keinen an der eigentlichen Grenze interessiert. Sehr zu empfehlen dieser Grenzübergang, wenn er nicht just in dem Moment dicht gemacht wird, in dem man selber rüber will, weil zeitgleich 30 Marokkaner versuchen, ihn zu stürmen. Von der spanischen Seite aus, wohlgemerkt. Schmuggelware und so. Aber hey, welcome to Africa!

Auf der marokkanischen Seite fahren wir direkt nach Tetouane, um von dort aus am Mittelmeer lang und kreuz und quer durchs Rif Gebirge irgendwie nach Osten zu kommen. Natürlich haben wir auch einen Abstecher nach Chefchauen gemacht, aber sind nach zwei Stunden in der Stadt weiter gefahren. Wir wollten ja weder einen Teppich kaufen (oder irgendwelchen anderen Kram aus 1001 Nacht), noch die lokale Flora rauchen. Direkt hinter Chefchauen gings durch das Rif in Richtung Mittelmeer. Aber das hatte wohl nicht so richtig Bock und hat uns komplett eingenebelt empfangen. 

Weiter durch das Rif Gebirge

Na dann halt nicht. Nach einem kurzen Trip an der Küste lang ging es wieder irgendwelche Pässe entlang durchs Rif in Richtung Ketama. Absolut grandiose Landschaft, alles riecht nach Gras und die Leute in ihren kleinen Dörfern sind ausgesprochen nett. Wir haben uns schon gewundert, ab wann denn der anstregende, sprich der “Kauf mein Hasch!”-Part kommt. Kaum wieder auf der südlichen Hauptstraße in Richtung Ketama ging es dann aber los mit Autos, die uns überholt und versucht haben auszubremsen, um uns ihre Waren anzudrehen. N bissl anstregend aber nicht bedrohlich. Haben dann auch gleich mal ne Nacht dort im Wald gepennt, alles easy. Hatte ich schon die grandiose Landschaft erwähnt?

Lange Rede, kurzer Sinn: Das Rif Gebirge ist absolut traumhaft und irgendwie ist da auch sonst kein Touri.

Wir hatten bisher aber keinen Plan, wo wir eigentlich hinwollten. Irgendwo habe ich dann gelesen, dass Figuig wohl ganz nett ist. Ganz im Osten und schön im Nirgendwo. Nach ein paar weiteren Nächten am Mittelmeer (bis Nador) gings dann also in den Südosten. Und wenn mans drauf anlegt, ist man dann doch recht schnell ganz weit weg vom Schuss. Für uns hieß das: Keine Strassen die auf Google sichtbar sind. Na und dann stehste da halt morgens im Olivenhain/der Baustelle von irgend einem Marokkaner, der am Bus klopft und dir irgendwas auf arabisch erzählt und machst halt die internationale Geste für “schlafen”. Fünf Minuten lang. Irgendwann sind wir dann gefahren und haben immer noch keine Ahnung was er eigentlich wollte. Aber er hat den Daumen gemacht.

Weiter gings durch die Steinwüste, keine Menschenseele weit und breit, außer ein paar Hirten und irgenwelche Nomaden  in ihren Zelten. Es ist so still, man will kaum atmen. Was uns dann zum heutigen Abend ( oder gestrigen, je nachdem ob ich die Bilder noch schaffe) und dem Titel des Posts führt. 

Da fährst du den ganzen Tag durchs Nirgendwo und denkst halt, dass du dich genauso gut zum Schlafen in besagtes Nirgendwo stellen kannst. Aber da hast du die Rechnung ohne den Hirten gemacht, der 500 Meter von dir weg steht und verdächtig in sein Telefon brüllt. Haben wir alles natürlich durchs Fernglas beobachtet. Wie es dann halt so ist, sitzen wir beim RumCola vorm Sonnenuntergang in der Steppe, es wird dunkel und in der Entfernung taucht ein LKW auf und trifft einen weiteren am Horizont. Nachdem dann beide umdrehen, um in unsere Richtung zu fahren, flatterte schon ein wenig die Hose. War ja sonst niemand da, zu dem sie hätten fahren können. Axt und Spaten werden bereit gestellt. Natürlich halten beide LKW 10 Meter von uns entfernt und leuchten uns an, sind ja auch die einzigen hier weit und breit. Vier Insassen steigen aus, alle mit Knüppeln in der Hand und kommen auf uns zu. Erstmal den Rum austrinken. Arabisches Geschrei geht los. Ich hol mein feinstes arabisch und französisch raus. Wer mich kennt weiß, dass ich genauso gut auch nichts hätte sagen können. Nachdem ich aufgestanden bin, haben die Vier das auch festgestellt und die Knüppel wurden geschmeidig hinterm Rücken versteckt.  Nach einer weiteren Runde “Schlafen” gestikulieren war den Herrschaften dann auch klar, dass wir nicht ihr Land annektieren wollen. Ein Telefonat mit irgendjemand der Spanisch sprach, hat dann noch die letzten Unklarheiten beseitigt. Puh, Zeit für den Rest der Flasche.

Der nächste Beitrag in der Reihe.

Die Übersicht der Route gibts hier. Bilder wie immer hier.

8 Gedanken zu „Zwei LKW und vier Nomaden mit Knüppeln im Dunkeln

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