Republik Kongo – Affen gucken

Republik Kongo – Affen gucken

25.08.2019 – 11.09.2019

Diesmal: Kabelbinder statt Keilriemen

Kongo? Aber da ist doch Ebola und Krieg und sowieso?!… Was man nicht so alles für Stories hört. Aber alles nicht so ganz falsch, ist nur der falsche Kongo. Was, ein zweiter Kongo? Auch oft genug gehört. Kongo I und Kongo II liegen eng nebeneinander, kann man schon mal verwechseln. Nun also erstmal die Republik Kongo, die Demokratische Republik Kongo (verwirrend oder?) kommt später.

Nach unserem Kamerun-Aufenthalt wollten wir ja eigentlich erst nach Gabun. Wir hatten es aber auf ein Visum an der Grenze angelegt und lagen damit falsch. Das hätten wir in Yaounde, der Hauptstadt Kameruns, holen müssen. Der Grenzbeamte in Kamerun schaute uns ein wenig verdutzt an, als wir wieder zurückkamen und fragte nur “What was last price?” Nix last price, keine Möglichkeit reinzukommen. Auch egal, das Kongo-Visum hatten wir ja sowieso schon, fahren wir halt dort Gorillas angucken. Das mit den Gorillas ist ja so ne Sache. Es gibt nicht sehr viele Länder in Afrika, wo das überhaupt möglich ist und dort wo es geht, grasiert die Touriabzocke. In Uganda liegen die Preise wohl bei 600 Euro aufwärts pro Person. Ein ordentlicher Batzen Geld, um in die Nähe eines sehr haarigen und sehr kräftigen sich-Selbst zu kommen. In Gabun kostets wohl “nur” 150 Euro, dafür gibts aber keine Sichtgarantie. Ist dann einfach nur ein sehr teurer Urwaldspaziergang. Den Kongo hat allerdings kaum einer auf der Liste. Aber der Reihe nach.

Der Kongo hat eine sehr große Nord-Süd-Ausdehnung, rund um den Äquator. So fährt man, aus dem Norden kommend, anfangs durch dichten Regenwald (auf feinstem chinesischen Teer), umgeben von nichts als Grün und drei, vier Lehmbuden alle paar Kilometer. Mit jedem Meter, den man weiter in Richtung Süden zurücklegt, kann man dem Regenwald beim verschwinden zuschauen. Zur Abwechslung ist mal nicht nur der Mensch dran schuld, sondern auch das andere Klima auf der Südhalbkugel. Ja, ernsthaft! Während es wenige Kilometer nördlich vom Äquator schifft, scheint wenige Kilometer südlich davon die Sonne. Also bye bye Regenwald, war absolut grandios. Ab jetzt wirds sandiger und wiesiger. Sieht mal wieder aus wie Brandenburg. Schon faszinierend, wieviele Teile der Welt wie Brandenburg aussehen. Oder Schottland. Mit Palmen.

Gorillas gucken

Doch dann kommen die Affen! Wir hatten Gorillas schon in Kamerun gesehen, da waren sie aber hinter einem Zaun. War nicht ganz wie im Zoo, sondern mehr wie n Wildgehege. Das war für uns aber der Auslöser, das Ganze im Kongo in einer etwas natürlicheren Umgebung zu machen. Ich sage “natürlicher”, denn ich bezweifle ganz stark, dass, egal wo man Gorillas gucken geht, das so richtig natürlich daher kommen wird. Irgendeine Art von Anfütterung und Gewöhnung an den Menschen muss stattfinden, ansonsten bekommt der Mensch die Tiere wohl so nie zu Gesicht. Im Kongo gibt es mehrere Möglichkeiten welche zu sehen, doch bis auf eine muss man dazu in eine feine Lodge mit sehr feinen Preisen. Wir wählen dann lieber die Möglichkeit, wo mehr Geld für Bier übrig bleibt. Sind ja quasi die gleichen Gorillas.

Die Gorillas leben im Lesio Louna Naturschutzgebiet auf einer Insel, an der man mit einem kleinen Boot entlangfährt und so zwei bis drei Meter von den Tieren entfernt ist. Während der Fahrt gibt es noch Hippos im Wasser zu sehen, zumindest für ne Zehntelsekunde, weil die fetten Kolosse doch sehr schnell im Abtauchen sind.

Absolut beeindruckend, diese Tiere so nah zu sehen, es fühlt sich sehr unreal an. Eher, als würde dir jemand in einem Gorillakostüm gegenübersitzen, meist mit dem Rücken zu dir gedreht. Und sie können ganz ordentlich werfen. Da hat mir doch echt einer mit Anlauf eine Ananas ins Gesicht geschleudert. Volltreffer, wohlgemerkt. Er war anscheinend ein wenig beeindruckt von meiner Erscheinung. Wurde mir gesagt…

Ansonsten machen sie eigentlich nicht so viel. Sitzen rum, essen ab und zu was, furzen. Reichte dann auch nach ner halben Stunde.

Brazzaville

Wir fahren weiter Richtung Kongo. Diesmal Kongo – der Fluss. Was wurde nicht alles über den Fluss phantasiert und in ihn hineininterpretiert (Hallo Joseph Conrad). Das sagenumwobene, dunkle, geheimnisvolle Afrika soll hier beginnen und sich entlang des Flusses erstrecken… Doch an dieser Stelle stehen sich heutzutage erstmal zwei Millionenmetropolen (oder Molochs) gegenüber: Brazzaville und Kinshasa. Die beiden Hauptstädte der Kongos trennt nur der wenige hundert Meter breite Flusslauf. Brazza ist erstaunlich schick anzusehen – breite Straßen und ein generell “luftiges” Gefühl in der Stadt. Das führt dazu, dass wir das bisherige Straßenbild und Gefühl Westafrikas fast vermissen und nach ein paar Tagen kommen wir doch auf die Idee, Kongo II nicht nur schnell zu durchqueren, sondern noch ein wenig in Landesinnere zu fahren, um nochmal das “Schwarzafrika” mitzunehmen, bevor es dann ins “gelobte” Land Angola geht. War natürlich alles Schwachsinn. Spoiler: Angola ist nicht das gelobte Land (zumindest nicht so ganz, wird ne Top Story, glaubt mir) und nach weiteren zwei Wochen im Kongo I hatten wir dann auch keinen Bock mehr auf ausgedehntere Touren im Kongo II.

Und sonst so?

Ach, da war ja noch was. Da ist uns doch tatsächlich aufm Weg nach Pointe-Noire, der großen Küstenstadt im Süden des Landes, 100 Kilometer hinter Brazzaville auf der Piste der Keilriemen gerissen. Eine Stunde vor Sonnenuntergang. Nächster “Ort” 30 Kilometer weg. Keinen Ersatzriemen mit. Mir ist dann mal aufgefallen, dass wir sowieso keine Ersatzteile dabei haben. Könnte man ja mal drüber nachdenken. Tipp: Keilriemen ist immer gut. Oder breite Kabelbinder. Die tuns auch für ne Weile. Gibt dann zwar keine Lichtmaschine oder Servolenkung, dafür kostenloses Armtraining. Mit dieser top Lösung sind wir dann die restlichen 500 Kilometer nach Pointe-Noire gefahren.

Ach ja, wir haben uns mal neue Reifen gegönnt. Die Alten BFG AT KO hatten so langsam kaum noch Profil und in Pointe-Noire gabs mal wieder was zu kaufen. Ich stelle vor, das Mobil auf BFG MT KM3 265/75R16. Sieht auch einfach geiler aus.

Unsere Route könnt ihr hier nachvollziehen. Infos zum Grenzübergang und dem Visum gibts hier. Mehr Bilder hier.

4 Gedanken zu „Republik Kongo – Affen gucken

  1. Ja Leute, sag ich doch, die ganze Welt sieht aus wie in Brandenburg :), nur die Gorillas sind gerade nicht vor Ort. Also die hätte ich auch gern gesehen!Habt noch ne schöne Feier heute !!!

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