Ghana – Eine Überraschung

Ghana – Eine Überraschung

29.06.2019 – 14.07.2019

Diesmal: Das einfachste Reiseland Westafrikas. Oder so. Malariastand: 6

Da haben wir uns eine Weile nicht mit Berichten gemeldet. Das hatte auch indirekt mit Ghana zu tun, bzw mit der weiteren Reisegeschwindigkeit, die wir ab hier an den Tag legen wollten. Endlich mal n bissl schneller fahren, 8 Monate bis zur Elfenbeinküste sind ganz schön lang. Irgendwann hast du halt die Schnauze voll vom Immergleichen: Landschaften, Leute, Gepflogenheiten – ändern sich nicht wirklich. Es gibt überall schöne Strände, schönen Dschungel, nette Leute, anstrengende Leute, lethargische Leute, gleichgültige Leute, geile Straßen, Kackstraßen, Reis mit Scheiss, Bruchbuden, edle Buden. Es fühlt sich irgendwann alles sehr ähnlich an, mit kleinen Abschweifungen ins ein oder andere Extrem.

Mal wieder ein paar Berge, mal wieder mehr von der Landschaft sehen, als das immergüne Dickicht. Da hatten wir Bock drauf. Kannste aber erstmal knicken bis Ostnigeria. Das ist n Stück. Also wollten wir mal auf die Tube drücken. Hat nicht so richtig geklappt, das kann ich vorwegnehmen. Und das lag nicht mal an einer weiteren Malaria…

Also Ghana. Geplant war, nur durch den Süden zu fahren, bis Tanja den billigsten Elefanten Afrikas gefunden hat. Oder besser gesagt, den billigsten Nationalpark Afrikas, wo es mal ordentliche Tiere zu sehen gibt, nicht nur irgendwelche Affen (die gabs da auch). Elefanten, Wasserbüffel, Krokodile, Warzenschweine, Antilopen und kleineres Getier. Es gab wohl mal einen Löwen, aber die Nachricht war einen Tag nach ihrer Verbreitung auch schon wieder Geschichte. Genauso wie der Löwe. Aber Elefanten sind auch gut. Der Nationalpark lag natürlich am entferntesten Punkt von unserer Schnell-Durchfahren-Route. Ganz im Norden. So wurden aus 400 Kilometern 2000.

Nach dem wir die beiden Roten in Abidjan zurück gelassen hatten, ging es über die Grenze nach Ghana. Dort dachten wir, wir sind in einem Achtziger Jahre Porno gelandet. Jeder, absolut jeder Ghanaer trug Schnauzer. Tom Selleck war nicht da. Überraschenderweise gibt es in diesem Land wohl Verkehrsregeln, an die sich tatsächlich irgendwie gehalten wird. Verwirrend. Auch ansonsten war hier so einiges los. Überall riesige Villen hinter stacheldraht-bewehrten Zäunen und in den Dörfern verputzte Steinhäuser mit Blechdach. Die Leute sitzen trotzdem gelangweilt davor wie eh und je. Puh, dachte für einen Moment wir wären aus Afrika raus gefahren. Stellt sich raus, Öl und Gummi sind hier die treibenden Wirtschaftsfaktoren und bescheren dem Land ein üppiges Auskommen.

Eigentlich wollten wir auch nicht an den Stränden Ghanas rumhängen, aber pennen mussten wir sowieso. Also irgendwas angefahren, was auf den Satellitenbildern gut aussah und naja, war ganz ok. Sind dann doch länger geblieben.

Sehr auffällig und irgendwann auch nervend waren die omnipräsenten Kirchenwerbungen, Amerika-Style. Der Priester als Popstar, die Kirche sein Stadion. Riesengroße Werbeplakate in jedem Ort, die dir alle was von der Erlösung erzählen wollen.

Eins von Millionen

Die Erlösung kam dann, als wir weiter gen Norden gefahren sind, in Form von immer mehr Moslems und einer entsprechend weniger christlichen Bevölkerung. Auch in Ghana gibt es wieder nicht nur ökonomische und ethnische Trennlinien, sondern auch eine klare Nord- / Südtrennung nach Religion. In diesem Fall ist diese Trennung auch eine Ökonomische: Rundhütten ersetzen die Steinhäuser mit jedem gefahrenen Kilometer, Brandenburg ersetzt St. Tropez. Die Landschaft nahm sich daran ein Beispiel und ergoss sich in eine riesengroße Savanne mit Bauern und Weidetieren. Ansonsten gabs für mehrere hundert Kilometer nix. Aus der Anlage quäkt Rainald Grebe.

Nach dieser Heimatmelancholieepisode waren wir dann im Mole Nationalpark, der mit dem billigsten Elefanten Afrikas. Und es wurde Wort gehalten. Der ganze Spass hat uns 20 Euro gekostet und es gab einiges zu sehen: Paviane die morgens auf dem Autodach rumspringen und zum Fenster reingucken, nachdem sie den Müll aufgebrochen (war ja klar) und aus dem Nutellaglas gefrühstückt hatten. Gut, dass wir nichts vom Schnaps übrig gelassen haben.

Kurz darauf gings dann auch mit dem Guide und seinem Luftgewehr (als wenn das den Elefanten interessiert) in unsrer Karre auf Tiersuche. Brauche ich ja nicht großartig zu beschreiben.

War ne sehr schöne Tour. Die Wasserbüffel haben sich erfolgreich versteckt, dafür gabs Hasen zu sehen…

Der Weg nach Südosten über Tamale (HotHot) zur Volta Region gestaltete sich dann auch wie die Anfahrt: Brandenburg. Aber am Ende wartete der größte Stausee der Welt, auch auf der Karte nicht zu übersehen. Grundsätzlich kann man da ein paar Tage angenehm chillen, aber quasi der komplette See ist zugebaut und besiedelt. Die Einheimischen wären ja auch schön doof dort nicht ihr Gemüse anzubauen. Seenplatte à la Lausitz entfällt (zuviel Brandenburg?).

Auf dem Weg nach Accra, der Hauptstadt, haben wir noch einen Abstecher nach Amedzofe gemacht, schonmal ein wenig die gewünschte Bergluft schnuppern. Ein kleines nettes Dorf mit schönem Blick rundherum und dem ersten (ungelogen!) öffentlichen Park, der nicht aussah, wie 30 Jahre nicht drum gekümmert.

Und sonst so?

Radarpistolen!! Denkste die wollen dich verarschen, aber nee, die Polizei hatte tatsächlich welche. Und wir einiges zu viel drauf. Aber da ich sowieso gerade einen Fieberschub hatte (danke Malaria), als uns die Polizei anhielt, war es nicht so schwierig den Gendarm von der Dringlichkeit und der damit verbundenen notwendigen Geschwindigkeitsübertretung auf dem Weg zum Krankenhaus zu überzeugen.

Ghana, es war schön. Man versteht warum die Touris gerne herkommen und danach keinen Bock mehr auf den Rest von Westafrika haben.

In dem Sinne, immer mindestens eine Hand am Lenkrad!
Trotz der guten Straßen gibts auch ab un zu mal ein wenig Spass.

Mehr Bilder gibts wie immer hier. Die gefahrene Route könnt ihr hier nachvollziehen. Infos zur Grenze und zum Visum gibts hier.

2 Gedanken zu „Ghana – Eine Überraschung

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