Sierra Leone – Unbekanntes Land?

Sierra Leone – Unbekanntes Land?

07.04.2019 – 24.04.2019

Diesmal: Das versteckte Strandparadies?

Die Entscheidung, nach Sierra Leone zu fahren, kam eigentlich nur, weil es bei Google Satellite so schön grün aussieht. Nach kurzer Recherche stellte sich dann raus, dass die Strände wohl auch recht ordentlich sein sollten. Krieg und Ebola gabs hier vor Kurzem auch, aber das lassen wir erstmal im Text bei Seite, gibts dann im zweiten Teil.

Der Grenzübergang verlief ohne Probleme (mehr hier) und schon konnten wir in das Palmen- und Urwalddickicht eintauchen. Und das ist keine Übertreibung. Nach der katastrophalen Straße von Conakry zur Grenze ging es auf Sierra Leonischer Seite auf feinstem EU-gesponserten Teer durch endlos erscheinende Palmenplantagen. Das Sponsoring verschiedenster Teile des Lebens durch europäische Organisationen wurde hier auch in jedem kleinen Dorf sichtbar. Vor allem die Kinder kamen als erste wieder mit offenen Händen und “Money, Money”-Schreien angerannt: ein Weißer muss ja ein Helfer sein. Die Bezeichnung Tourist ist den wenigsten ein Begriff, was uns auch später immer wieder auffallen sollte. Nur gut, dass wir keinen weißen Geländewagen fahren, wie alle “helfenden” Organisationen hier…

Freetown

Auf einer Fähre ging es ab nach Freetown, seinerseits Hauptstadt und Verkehrsmoloch Sierra Leones. Begrüßt wurden wir von dem ewig brennenden Feuer der innerstädtischen Müllkippe und den viel zu kleinen, vollgestopften Straßen des östlichen Freetowns. 1,5 Stunden für zwei Kilometer. Aber selber schuld, einmal falsch abgebogen und dann musst du halt durch den täglichen Markt fahren, in 10 cm Abstand zu Gurken und Reis.
Im Auto übernachten in der Stadt ist sowieso fast unmöglich, doch wir fanden bei der Caritas einen warmen und mückenverseuchten Stellplatz. Wenigstens war Wochenende und so konnten wir das Nachtleben der uns umgebenden Wellblechhütten erkunden. Oder auch nicht. Nach Einbruch der Dunkelheit blieb es auch genau dabei: bei Dunkelheit. Kaum Strom, kaum Licht, aber wenigstens die Gefrierschränke in den örtlichen Spelunken liefen auf Hochtouren und so war das Bier ordentlich kalt. Viel war aber auch sonst nicht los, dafür muss man dann wohl in die feinen Gegenden gehen, wo man wieder nicht mit Shorts und Unterhemd in die Etablissements kommt.
Ansonsten war Freetown nicht übermäßig spektakulär, eher wie alle Hauptstädte seit Bissau. Es gibt so ziemlich alles, wie aus europäischen Supermärkten gewohnt, zu eigentlich annehmbaren Preisen. Emmentaler für 8 Euro das Pfund, 0,3er Bier für 70 Cent, Raki für 5 Euro die 0,75 Flasche. Die Libanesen und Inder machen hier großes Business mit Lebensmittelmärkten und Baumarktshops, die Europäer haben ihre Hilfsorganisationen.

Weltbeste Strände

Aber gut, wir sind ja für die Strände hier her gekommen. Und Strände soll es geben!
Im Prinzip besteht die gesamte Halbinsel, auf der Freetown liegt, aus einer traumhaften Bucht, die nahtlos in die nächste traumhafte Buch übergeht. So oder so ähnlich würde es wohl der Reisekatalog beschreiben – und zur Abwechslung gar nicht mal so falsch liegen.
Mal ein paar Bilder zur Einordnung:


Da die Strände alle in ungefähr einer Stunde von Freetown aus zu erreichen sind, leiden sie unter den selben Problemen wie alle stadtnahen Strände dieser Welt: am Wochenende fast nicht genießbar. Dann treibt es die Städter raus ans Wasser, jeder mit seiner eigenen Musikanlage bewaffnet, die außer laut zu übersteuern nichts kann, das aber so gut, dass man sich untereinander nicht mehr versteht und natürlich über die Musk schreien muss. Dies ergibt ein Klangparadies, welches das Strandparadies in Mallorcas Ballermann verwandelt. Ein Ballermann, der nur seine Ballermannhits kennt und diese rauf und runter spielt. Ganz lustig für ein zwei Stunden, dann aber nur noch anstregend. Dazu der Müll, der in der Gegend drapiert wird und die zugekifften Locals, die mit ihrer Bekanntschaft des Abends hinterm Bus vögeln wollen. (Sechzig im Herzen. Get off my lawn!) Naja, unter der Woche war es dagegen absolut ruhig und wir hatten den Strand größtenteils für uns. Da kann man dort auch schon mal 10 Tage lang abhängen und surfen. Oder einmal surfen und sich dabei den Fuss verstauchen. Ich habe letzteres gewählt. Verletzungscounter: Zweimal Fuss, einmal Rücken, da geht noch was.

Weil so geil, noch ein paar Bilder:

Alle Bilder und ein paar mehr gibts hier. Die gefahrene Route könnt ihr hier nachvollziehen.

4 Gedanken zu „Sierra Leone – Unbekanntes Land?

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