Guinea – Offroad im Dunkeln mit blindem Passagier

Guinea – Offroad im Dunkeln mit blindem Passagier

26.03.2019 – 30.03.2019

DIESMAL: Mal wieder eine der Aktionen, bei denen du dir im Nachhinein denkst “Wenigstens haben wir ne top Story zu erzählen”

Schlecht asphaltierte Straßen sind wie immer wieder abbrechendes Internet – es wäre besser, gar keins zu haben. Darauf kann man sich dann einstellen. So wird man aber in der Hoffnung gelassen, dass es hinter der nächsten Kurve (bzw. in der nächsten Minute) besser wird, nur um dann sehr wahrscheinlich an einer weiteren Verschlechterung teilzuhaben. Aber der Reihe nach.

Der Grenzübergang von Guinea-Bissau nach Guinea war problemlos, auch wenn der Grenzposten auf der Einreiseseite einen doch sehr dörflichen Charakter hatte. Die Straße ging danach auf einer Länge von 50 km auf einer Mischung von Flussbett und Sandpiste in die nächste Stadt. Rundhütten wichen langsam aus Stein gebauten Häusern, Bergketten zogen am Horizont auf und auch die einheimische Küche hatte am Straßenrand so einiges zu bieten: Brot mit Mayo und Kaffee mit soviel gezuckerter Kondensmilch, dass er nicht als Kaffee erkennbar war. Ausgewogene Mahlzeit!

Bade Bade im Wasserfall

Von hier aus wurde gemunkelt, dass es eine frisch asphaltierte Straße in den Süden nach Labe gab. Uiuiuiui. Zu aller Überraschung gabs die wirklich. So richtig mit weißen Streifen, mal gerader mal krummer, aber hey. Stellt sich raus: Ist auf Dauer auch langweilig. Und so freuten wir uns auf die nächste Piste, die auch nicht allzu lange auf sich warten ließ.

Labe selber liegt auf einem riesigen Hochplateau umgeben von unzähligen Wasserfällen, die auf Grund des hohen Niederschlags in der Gegend auch in der Trockenzeit bebadbar sind. Clever wie die Einheimischen (mit Hilfe einer Arbeiterarmee aus China) sind, gibt es dementsprechend Wasserkraftwerke an einigen Wasserfällen.

Was man an so nem Wasserfall macht, muss ich ja nicht weiter ausführen, daher Bilder.

Der blinde Passagier

Ansonsten mal wieder ne Geschichte ausm Paulanergarten: Wir sind auf dem Weg zu einem der Wasserfälle, ca 20 km Piste durch den Wald mit zum Ende hin ordentlichen Löchern, Ausspülungen und stark abfallend. Eine Stunde bis Sonnenuntergang. Sportlich. Aber wird schon.

Kaum am Wasser angekommen, gesellt sich sofort ein Einheimischer zu uns. Der Meter Distanz zwischen uns verdeckt allerdings nicht seine ordentliche Fahne. Ist ja ok, war ja schon nach 16 Uhr. Geht scheinbar in keine der Moscheen, die hier überall in der Gegend wie Pilze aus dem Boden sprießen.

Er sei wohl hier der Aufpasser, würde uns zu dem Wasserfall führen und wir hätten jetzt für seine Dienste (die wir nicht in Anspruch nehmen wollten) und einen Parkplatz über Nacht eine unverschämte Summe von 20 Euro zu bezahlen. Is’ klar. Mal so nebenbei: Die Nötigung durch Einheimische ist hier in der Gegend an den größeren Wasserfällen mittlerweile gang und gäbe. Man wird gedrängt, irgend einen Guide zu nehmen, egal ob man das möchte oder nicht, das sei wohl Gesetz. Ist natürlich Schwachsinn und erinnert sehr an Asiens “Der Tempel ist geschlossen”. Weitere Negativbeispiele hierfür sind Doucki (absolute Abzocke) und der Ditinn Wasserfall.

Zurück zu uns: 10 Minuten radebrechendes Französisch von allen Beteiligten später rief der “Aufpasser” dann seinen “Chef” an, der sich als der Tourismusbeauftragte der Region vorstellte. Is’ Klar. Wenigstens konnte ich dem jetzt auf Englisch die Beklopptheit der Situation darlegen. Währenddessen wurde es immer dunkler. Die Sonne war untergangen, dafür zwei weitere Typen aus dem Wald aufgetaucht. Immer wieder faszinierend, wie sich hier Leute aus dem Nichts materialisieren. Naja, um das mal abzukürzen: Das Telefon wurde dann noch ein paar Mal hin- und hergereicht, eine Einigung war nicht in Sicht und die drei Herren spielten wohl auf Zeit, war ja schließlich auch stock duster mittlerweile. Da gibt sich Ottonormalreisender wohl geschlagen und zückt den Geldbeutel. Gut, dass wir ne ordentliche Lightbar haben. Zwei der drei wollten uns noch aufhalten, waren dann aber geistesgegenwärtig, sich nicht vom Auto überfahren zu lassen. Also gings die tief ausgespülte Strecke im Dunkeln wieder den Berg hoch. Ging wirklich besser als gedacht. Bis es von hinten ans Auto klopfte. Komisch, fahrendes Auto im Dschungel und es klopft von außen?

Uns wurde dann klar, dass einer der Knallköppe sich wohl an den Scharnieren der Hintertüren den ganzen Weg lang festgehalten hat. Respekt, das muss n ordentliches Rodeo gewesen sein. Den nächsten Huckel nahm ich also etwas sportlicher und dann war er… ähm… unten. Na dann, Gute Nacht.

Mehr Bilder gibts es hier und die gefahrene Route ist hier nachzuvollziehen. Infos zum Grenzübergang gibts hier.

2 Gedanken zu „Guinea – Offroad im Dunkeln mit blindem Passagier

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