Guinea – Auto beladen für Fortgeschrittene

Guinea – Auto beladen für Fortgeschrittene

31.03.2019 – 07.04.2019

Diesmal: Durchs Hochland von Guinea in die top Stadt Conakry

Nachdem wir unseren unerwünschten Mitfahrer abschütteln konnten, ging es für uns von Labé aus Richtung Süden, Richtung Küste. Sehr, sehr langsam. Trotz oder gerade wegen der geteerten “Nationalstraße”. Hier sah man wieder sehr schön was passiert, wenn nur mit halbem Hirn und vollen Geldbeuteln geplant wird. Eine kurzer Ausflug: Im Gegensatz zu den ganzen Westlern haben es die Chinesen nicht so mit Entwicklungshilfe für Afrika. So weit, so gut. Den “Markt Afrika” will man sich aber trotzdem nicht entgehen lassen, also betreibt man “Trade, not Aid” – Handel statt Hilfe. Im Falle der Straßen bzw. der Infrastruktur allgemein sieht das folgendermaßen aus: Die Chinesen sind an Abbaukonzessionen für Rohstoffe interessiert. Speziell in Guinea betrifft das Bauxit (hier befindet sich das weltweit größte Vorkommen), welches zur Herstellung von Aluminium genutzt wird. Die Chinesen bekommen nun die Erlaubnis zum Abbau des Bauxits, im Tausch gegen das Versprechen, Straßen und Eisenbahnen etc. zu bauen (in Realität sind die Deals noch weitaus komplexer). Das Problem ist nur, dass die Qualitätskontrolle ebenfalls bei den Chinesen liegt und es scheinbar keine Nachsorgepflicht gibt. Dies führt zu einem Straßenzustand, der jenseits von Gut und Böse ist – Löcher im Teer, über die man Brücken bauen könnte. Einmal haben wir es tatsächlich geschafft, mehr als 60 km/h zu fahren – und zack kam das nächste Loch. Wir fahren durch Guineas Hochland und so sorgen die kurvigen Bergstraßen gepaart mit ausfransenden Teerstücken am Rand und Löchern in den verbleibenden Mittelstücken für ordentlich Karosseriematsch. Alle paar Kurven gabs dann auch die Überreste diverser Verunfallungen zu sehen, wegräumen tut die hier wohl auch keiner. Schluss mit Text, mehr Bilder!

Jenga in Guinea

Generell ist hier auch die Kunst des Waren- und Menschentransports auf, an und im Auto zu bewundern. Irgendwie gibt es im Vergleich zu den bisherigen Ländern nur noch sehr wenige Busse, die den Personen- und Gütertransport bewerkstelligen. Aber die Allzweckwaffe Renault Nevada kommt zur Hilfe. Braucht ihr nicht googlen, die gepimpten Varianten, die hier rumfahren sind nicht ansatzweise mit den Dingern bei Google vergleichbar. Die werden ordentlich hochgelegt, damit nicht bei jedem Schlagloch die Karosserie auf dem Reifen aufsetzt, und dann wie gewohnt komplett überbeladen. Jenga ist nen Witz dagegen.

Conakry – Gibts jetzt mal Chaos?

Und dann stand ja noch die Hauptstadt Conakry auf dem Plan. Eigentlich nur, weil wir das Visum für Sierra Leone dort holen wollten. Das hat sich dann aber auch erledigt, nachdem wir mitbekommen haben, dass das auch online funktioniert und wir uns dadurch das hässliche Rumgerenne zu Terminen sparen können. Conakry ist auch eine Absurdität einer Stadt, dafür reicht schon der Blick auf Google Maps. Ursprünglich auf einer Landzunge erbaut, ersteckt sich die Stadt nun über 60 Kilometer ins Landesinnere. Und natürlich zieht es alle Guinesen dorthin. Nix mit schnell mal irgendwo hinfahren. Irgendwas hat die Stadt aber trotzdem, überraschend grün, mit Stadtstrand und der Verkehr ist ein angenehm zäher Brei. Das Rumgeheule in Reiseführern und von anderen Reisenden konnten wir nicht so nachvollziehen. Das Müllproblem ist natürlich genauso eklatant wie überall, den Strand sollte man dementsprechend erst nachmittags betreten, bis dahin wurde geharkt. Dass der Müll nur 100 Meter vom Meer entfernt “entsorgt” wird, ist ne andere Story. Mit der offenen Kanalisation aka Fluss tritt der Müll bald wieder fröhlich seinen Siegeszug zum Ozean an.

Alkohol gibts hier natürlich auch (Hallo Jacob): Viel importierten Quatsch zu Preisen, die sich hier wohl kaum der Durchschnitt leisten kann; dazu ein, zwei lokale Marken an Bier zu ebenfalls sportlichen Preisen (80 Cent für n halben Liter) und wie immer billigen Schnaps. Faustregel in Westafrika bisher: je teurer das Bier, desto billiger und fragwürdiger der Schnaps. Bisher gab es aber noch null Erblindungen.

Und sonst so?

Wir konnten endlich wieder unseren Spiritusvorrat (zum Kochen) auffrischen und haben in der Apotheke direkt mal 10 Liter bestellt. Und auch wie versprochen waren die nächsten 100 Kilometer bis zur Sierra Leonischen Grenze ebenfalls eine Übung im Schrittgeschwindigkeit fahren.

Mehr Bilder gibts wie immer hier, die Route könnt ihr hier nachvollziehen.

3 Gedanken zu „Guinea – Auto beladen für Fortgeschrittene

  1. Der Bierpreis ist ja echt lächerlich! Auf den Seychellen zahlst Du für 0,258 Liter (das dürfte ein halbes Pint sein) FÜMPF ganze Euronen. Na denn Prost!

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