Tadschikistan – Krankenwagenfahrt am Pamir

Tadschikistan – Krankenwagenfahrt am Pamir

21.07.2025 – 31.07.2025

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ach den Aussichten im Süden von Kirgisistan bleiben wir den Bergen treu. Wir befinden uns auf dem Pamir Highway, der Straße schlechthin für wahrscheinlich jeden Zentralasien-Reisenden. Ob zu Fuß, Fahrrad, per Anhalter, Motorrad oder in der Reisegruppe – jeder will die M41, die quer durch Tadschikistan führt, bereisen. Teilweise berechtigt, teilweise übertrieben gehypt. Und wie immer: Der beste Teil liegt abseits der Hauptstraße:

Die ist, nebenbei gesagt, in überraschend gutem Zustand. Ein Wechsel aus Waschbrettpiste, Löcheransammlungen verbunden mit Teerklumpen, Schotter und einigermaßen geschlossenen Asphaltstrecken begrüßt uns anfangs. Dass die Teerdecke von Salvador Dalí gegossen wurde, interessiert erstmal nicht.

Auch der Rest der Gegend könnte einem Gemälde entsprungen sein.

Es ist doch recht schön hier auf 4000 Metern. Der Karre machts auch nichts: Sprit ist OK genug, Turbo macht Turbogeräusche und schiebt uns stetig vorwärts auf 4600 Meter. Das wird dann wohl der höchste Pass auf dieser Reise werden. Wir hatten mit mehr Stress für uns und die Karre gerechnet, aber es ging so gut, wir sind kurzerhand eine Woche später wieder in die entgegengesetzte Richtung zurück gefahren.

Entgegen der klassische Route nach Dushanbe (und weiter nach Usbekistan) wollten wir einen Rundtour fahren, zurück nach Osh und dann weiter in den Osten Kirgisistans. Der Abschnitt Chorugh – Dushanbe soll sowieso langweiliger sein und sah auf Bildern mehr wie bereits Gesehenes aus.

Unser Weg jedenfalls führt durch die Weltstadt Murghab!

Gibt alles was man braucht, selbst dieses 4G Internet. Reis mit Scheiß essen, einkaufen, nochmal tanken und los gehts in den wohl geilsten Teil auf diesem nicht-Pamir-Highway: Zorkul. Damit verlassen wir auch die schöne Melange an verschiedenen Straßenzuständen und gehen über zum Besten: Waschbrett.

Dieses Dreiländereck zwischen Tadschikistan, Afghanistan und China kommt wohl dem „weg von der Zivilisation“-Gefühl noch am nächsten. Wie immer und überall auf der Welt: wo Wege existieren, wohnen natürlich auch Leute, es könnte hier nur ein wenig länger als anderswo dauern, bis man diesen mal begegnet.

Auf die Frage „Ist das ne Jurte da hinten?“ folgt immer: „Nein, ist ein Stein“

Gefühlt sind wir zwei, drei Wochen zu spät im Jahr hier – der Schnee ist nur noch auf den Bergketten Chinas und Afghanistans sichtbar. Dafür gibt es anfangs feinsten Nieselregen und wolkenverhangenen Himmel. Ist aber auch egal, hier zahlt es sich aus nicht in die Luft, sondern auf den Weg zu gucken.

Dank Schneeschmelze wird das breite Tal von unzähligen kleinen Flüsschen durchzogen, die sich in den namensgebenden Zorkulsee ergießen. Die Murmeltiere freuts. Und uns auch beim Sundowner auf 4000 Metern.

Und dann wartet schon das nächste Tal auf uns: das Wakhan Valley! Die Betonung liegt hierbei auf „warten“, im Sinne von wir haben ungeplant erst noch was anderes zu tun: Krankenwageneinsatz.

Normalerweise gehts ja für mich ins Krankenhaus – doch diesmal haben wir einen Fahrradfahrer aufgesammelt, der mit massiven Blasenschmerzen zu kämpfen hatte. Distanz zum nächster Arzt: 30 Kilometer. Distanz zum nächsten Krankenhaus: 60 Kilometer. Durchschnittsgeschwindigkeit: 20 km/h.

Und los ging die wilde Fahrt über Stock und Stein, Flussdurchquerungen und noch mehr Stock und Stein.

Beim ersten Arzt angekommen stellten wir schnell fest, dass das eher ein Arzt für nicht so dringende Angelegenheiten ist: es war niemand aufzufinden und nach einigem Rumtelefonieren mit Hilfe der Dorfbewohner stellte sich raus, dass wir eher in zwei Stunden eventuell Glück haben könnten. Die Zeit hatten wir bzw. unser Passagier nicht.

Also weitere 1,5 Stunden bis ins Krankenhaus.

Bis auf die Toiletten sah das gar nicht so schlecht aus, da haben wir schon Fragwürdigeres gesehen. Zumindest kein Blut auf dem Boden. War aber auch nicht viel los und so konnte schnell geholfen werden. Die Einzelheiten erspare ich euch mal, geht ja nicht um mich.

Und dann standen wir da also vor dem Krankenhaus, mitten im Wakhan-Tal. Um uns herum Alleen und Felder. Jugendliche, die an der Bushaltestelle sitzen und rauchen. Es kommt kein Bus. Sind wir doch wieder in Brandenburg? Wenn nur dieses massive Bergpanorama im Hintergrund nicht wäre. Brandenburg – anderswo ists auch nicht anders.

Was wir auch lange nicht mehr gesehen haben: Hilfsorganisationsprojekte!

Die Sinnhaftigkeit, Leuten, die seit hunderten von Jahren in diesem grünen Tal an einem Fluss leben, irgendwelches Bewässerungs-Know-how beizubringen, erschließt sich mir nicht so ganz. Aber gut, Spenden müssen ausgegeben werden. Auch wenn es nur dazu führt, dass die Kinder in diesen Gegenden unter lautem „Money, Money“-Geschrei auf die Straße rennen, wenn Touris zu sehen sind. Hatten wir bisher noch nicht auf dieser Reise. Aber bisher hatten wir auch noch keine Hilfsorganisationsprojekte gesehen…

Weiß auch nichts damit anzufangen:

Das grüne Wakhan Tal:

Und damit belassen wir es auch für den heutigen Blogbeitrag. Guckt euch lieber noch ein paar Bilder an. Lohnt sich!

Und sonst so?

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