Kirgisistan II – Wenn das Schöne alltäglich wird
31.07.2025 – 22.08.2025
Ein kurzer Abstecher nach Tadschikistan und wir sind wieder zurück in Kirgisistan.
Beim letzten Mal war vieles eher so mittel, bis das Ende grandios wurde. Diesmal halten wir uns nicht mit mittel auf, sondern können es kurz machen: Was für ein landschaftlich schönes Stück Erde!
Täler, Seen, Berge, Schnee und Matsch. Baden gehen und Dieselheizung auf 3600 Metern. Es ist für jeden was dabei. Kein Wunder, dass gefühlt jeder Reisefotograf auf Instagram seit einigen Jahren dieses „unbekannte Land“ anpreist. Und die Leute kommen, angelockt von der Landschaft, den Jurten und den ach so wilden Pferden. So propagiert das zumindest das Marketing und alle plappern es nach.
Das ist natürlich Quatsch. Alles, was hier auch noch in den entferntesten Zipfeln dieses Landes Gras kauend durch die Gegend läuft, gehört irgendjemandem. Denjenigen mag man zwar einige Zeit lang nicht sehen, dafür ist sein Branding auf dem Pferd ziemlich gut zu erkennen. Das Pferd mag zwar frei umherlaufen, irgendwann wird es aber trotzdem zu Wurst. Wer auf der Suche nach dem edlen Wilden ist, ist hier falsch. Wie eigentlich überall auf der Welt.

Ebenfalls wie überall auf der Welt: A-Frames und Glamping!



Scheinbar praktischer als so ne Jurte. Na gut, dann sieht halt jedes Tourigebiet von Montenegro bis hierher gleich aus. Findet man wenigstens immer die Eingangstür.




Nachdem wir jetzt die Wohnsituation der Anderen abgeklärt haben, fahren wir mal noch ein wenig mit unserer Wohnsituation durch die Gegend!




Und auch wenn unsere Wohnsituation recht fähig ist, so gibt es eine Sache, die immer wieder für helle Freude sorgt: Regenfahrten auf Lehmwegen. Und mit Freude meine ich die Freude, wenn es vorbei ist.
Die Bilder lassen es eventuell vermuten: Wetter hatte eher keinen Bock. Wir waren auf der Suche nach zwei Gletscherseen, am Fuße eines monumentalen, schneebedeckten Berges. Ich hatte online ein Bild davon gesehen und nach einigem hin- und her-Gesuche war ich relativ sicher, wo das sein musste: chinesisches Grenzgebiet. Kein Problem, Erlaubnis im nächsten Ort (80 Kilometer) abholen und los geht die wilde Fahrt. Eine super schöne Ecke! Dann kam der Regen und mit ihm verwandelte sich die Piste ruckzuck in eine reine Lehmrutschbahn. Und wenn du beim Bergaufwärtsfahren den zurückgelegten Weg aus der Seitenscheibe und nicht im Rückspiegel siehst, weißt du, dass der Zeitpunkt gekommen ist, den Whiskey aufzumachen. Weiterfahren war sinnlos, nach drei Metern Fahrt die Reifen komplett zu mit Lehm und das Auto bewegt sich nur noch in Schlangenlinien vorwärts. Man könnte denken, den Whiskey gab es schon.
Die Nacht regnet es durch, die Bergspitzen um uns herum sind morgens wieder mit frischem Schnee bedeckt und die Pfützen gefroren. Aber mein Garmin SMS-Notgerät erzählt mir, dass am Tag drauf das Wetter… anders wird. Nicht wirklich besser, aber was willste machen. An aus-den-Bergen-Rausfahren ist nicht zu denken. Also bleiben wir noch ein wenig, schön isses ja.




Die einzigen Anderen in drei Tagen: Das örtliche Grenzkommando. Mit dem richtigen Gefährt für die Umstände.

Irgendwann gab es dann auch mal Sonne, das Garmin hatte Recht behalten. Kommt auch nicht so oft vor.
Weiter ging die lustige Fahrt bis zu den Gletscherseen. Beziehungsweise bis dahin, wo ich sie vermutete. Tja, das mit den Kartenmaßstäben ist ja so eine Sache. Vier, fünf Kilometer Luftlinie sollten die Seen vom Track weg sein. So weit so richtig. Irgendwie habe ich aber den Fluss mit seinen unzähligen Ärmchen und den Bergrücken übersehen, die sich zwischen uns und dem Ziel erstreckten. Der Fluss war gut voll, Regen und Schneeschmelze sei dank, und man kann mir durchaus unterstellen, dass ich gerne dumme Sachen mache, aber darauf hatte ich keinen Bock. Also musste die Drohne ran. Die hatte nach drei Kilometern Flug auch keinen Bock mehr (musste ja noch zurück) und so muss man schon ganz genau hinschauen, um die beiden Gletscherseen zu erkennen.




Egal, trotzdem geile Gegend. Weiter gehts.
Wie Eingangs erwähnt, gibts hier scheinbar auch nur geile Gegenden. Man sehnt sich fast schon nach was Hässlichem, um die Augen zu entspannen. Müllhaufen oder so. Aber auch die sind schwer zu finden. Und so bleiben unsere Augen überstrapaziert:






Überstrapaziert war auch der Sprinter, den wir im Flussbett getroffen haben. Fluss zu tief, Auto abgesoffen, Anlasser hatte keinen Bock mehr und da saß er nun gerade so auf dem Trockenen und werkelte am ausgebauten Anlasser.
Just in diesem Moment fiel mir dann unser seit Monaten stiller Mitfahrer im Fußtritt ein: Unser alter Anlasser. Der musste raus, weil er nicht mehr bei jedem Startversuch verlässlich gearbeitet hat. Aber als Ersatzteil für Notfälle taugt das noch. Lustigerweise hatte der liegenbleibende Sprinter den gleichen Motor und so bekam der Anlasser noch ne Chance. Und wir einen Sack Aprikosen als Dank.

So, und damit sind wir auch schon am Ende. Es gibt noch einen Schub Bilder und dann muss ich mich mal ranhalten, den nächsten Blogbeitrag fertig zu machen.














Und sonst so?
Täglich grüßt das Murmeltier.










