Kirgisistan I – Starkes Ende

Kirgisistan I – Starkes Ende

13.07.2025 – 21.07.2025

Vorbei mit den Weiten Kasachstans! Es geht wieder in die Berge: Kirgisistan – Land der Pferde und Jurten! So verspricht es zumindest jedes Reiseprospekt.

Wir haben hier das passende Video:

Direkt hinter der Grenze grüßt erstmal Lenin, falls jemand vergessen hat, dass hier alles mal Sowjetunion war. Ihm steht das Wasser bis zum Hals.

Doch statt Sowjetunion erinnert uns hier Anfangs viel an die Bergregionen Albaniens, Montenegros und der Türkei: Alles ein wenig braun und grün, hier mal ein Stausee, am Straßenrand werden wieder Millionen von Melonen verkauft und an den Flüssen werden Fische in kleinen Restaurants gebraten, direkt mit angrenzendem Instagram-Photo-Spot. Keine Ahnung wer die ganzen Melonen kaufen soll, die Fische kommen auf jeden Fall aus der Zucht und die Instagram-Spots haben alle mindestens eine Schaukel. So weit so gleich auf der Welt.

Wie es Berge so an sich haben, geht es mal hoch und mal runter, im Gegensatz zu unserer Begeisterung. Die bleibt eher niedrig. O-Ton Tan aus dem Auto: „Es ist bisher noch nicht sehr ansprechend“. Zu diesem Zeitpunkt standen wir schon kurz vor der Grenze zu Tadschikistan.

Aber so ist das mit dem Langzeitreisen: 3600 Meter über Null reichen irgendwann nicht mehr aus für Begeisterungsstürme. Jurten, die vorwiegend als Verkaufsstände von vergorener Pferdemilch (pfui deibel) an Touris dienen, auch nicht. Kategorie: Ist ja ganz nett. Zwischen den Highlights eines jeden Landes ist auch immer viel Füller.

Ein paar Impressionen:

Und damit könnten wir diesen Blogbeitrag beenden und direkt einschlafen. Wäre da nicht wieder Lenin.

Pik Lenin um genau zu sein.

Wir auf 3500 Metern, die Spitze knapp über 7000 Meter und morgens grüßen unzählige fette Murmeltiere. Was ein Anblick! Die Stimmung steigt.

Die Jurten auf den Bildern sind natürlich Touriunterkünfte, aber zum Glück wesentlich fotogener als Hotelanlagen in Antalya.

Ein wenig oberhalb geht es dann zum Basecamp, für die Leute, die den Berg besteigen wollen. Hatten wir keine Lust drauf. Ist wohl recht kühl auf dem Gipfel.

Aber wenn man sich das Basecamp so anschaut, würde ich auch eher versuchen auf den Berg zu klettern, als mehr als nötig dort abzuhängen. Es herrscht doch schon eine gewisse Flüchtlingslageratmosphäre.

Und auch wir ziehen weiter: Richtung Tadschikistan, Richtung Pamir Highway.

Doch vorher gibt es noch ein paar Reparaturen zu erledigen: die Motorlager haben sich am Aralsee dann doch ein wenig zu sehr bemerkbar gemacht. Vor Ort per Whatsapp bestellt, zwei Tage später abholbereit und mit akkurater Mercedes-Handbuchtechnik eingebaut.

Die Radlager mussten auch nachgestellt werden und welchen besseren Ort gibt es dafür als am Flussbett?

Und während ich im Handy zum fünften Mal versuche zu lesen, was ich eigentlich machen soll, erscheint am Horizont ein einsamer Reiter.

Bei näherem Hinsehen sind es zwei Leute auf einem Pferd. Ein sehr runder Erwachsener und ein noch runderes Kind mit einem sonnengegerbten Gesicht wie ein Großer und weit aufstehendem Mund. Die beiden kommen an und nach dem üblichen Austausch von Russischbrocken, ging es munter mit Hand und Fuß weiter, um zu klären, ob wir eine Batterie zum Handyladen hätten. Kein Problem. Nach ein paar Stunden kamen die beiden wieder, um die Handys abzuholen. Das Kind war immer noch sehr rundgesichtig und sonnengegerbt und brachte uns frittierte Teigwaren und Kurt. Letzteres gibt es mit wechselndem Namen seit dem Iran und ist im Prinzip getrockneter Joghurt in Ballform und in dem Fall noch geräuchert. Geschmacksrichtung: Außen wie Arsch, innen wie Salzquark. Was Feines…

Und sonst so

Da war noch die Sache mit unserer Karre, die alleine langsam rückwärts von der Tankstelle rollt…

Schon ein bissl dumm, wenn das Getriebe bei leichter Steigung (wie sich das an einer Tankstelle gehört) aus der Parkposition springt und die Handbremse, nunja, nicht angezogen ist.

Noch dümmer ists allerdings, wenn man selber schuld dran ist, weil „irgendjemand“ das Festschrauben des Schaltgestänges „später“ machen wollte.

Die Dummheit wurde aber etwas kompensiert, indem dieser jemand aus 20 Metern Entfernung das Richtung Straße und Garagenbauten rollende Auto sieht und es tatsächlich noch hinbekommt, nach einem kurzen Spurt die Fahrertür aufzureißen und auf die Bremse zu hechten.

Wer dieser jemand war, lasse ich jetzt mal offen…

Der Ausblick

Nochmal tanken in Sary Tash. Ohne wegrollen.

Im nächsten Beitrag wird es interessant: Pamir Highway, Krankentransport und Dorfkrankenhaus. Zur Abwechslung mal nicht für mich. Und das alles auf bis zu 4600 Metern.

Ach, und wir kommen ja nochmal nach Kirgisistan zurück! Dann gibt es mehr Berge und Jurten. Und auch Pferde. Auf der Wiese und auf dem Teller. Spoiler: Es gibt keine wilden Pferde.

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