Kasachstan II – Endlich Endlos
23.06.2025 – 13.07.2025
Jetzt zählen wir doch alle mal auf, was wir mit Kasachstan verbinden.
…
Gähnende Leere. Also bei mir. Im Kopf.
Auch wenn das eher ein Armutszeugnis meines Kenntnisstands über diesen Teil der Welt ist, trifft es die Realität doch sehr präzise. Und wie bei mir im Kopf gibt es neben gähnender Leere auch noch ein paar feuchte Stellen und ab und an Funkenflug.
Ein Vorgeschmack:
Nach der grandiosen Landschaft Mangystaus kommen endlose Weiten.

Außer uns nur ein paar Kamele und Pferde und unzählige Tracks im Sand, damit irgendwer irgendwann die Tiere wieder einsammeln kann. So eine Kamelkeule schneidet sich ja nicht von alleine.



Ansonsten soweit das Auge reicht: Sträucher, Stoppeln und Sand. Und unendliche Ruhe, die es sonst nur in der Sahara und der Lut gibt.
Von dieser feinen Steppe haben wir besonders viel vor uns, weil die Grenze zwischen Kasachstan und Usbekistan im Westen geschlossen ist. Knappe 2000 Kilometer Umweg und damit steht auch unsere Entscheidung fest, Usbekistan zu überspringen. Genug Moscheen gesehen.
Umweg ist tatsächlich auch nicht der richtige Begriff. „Erweiterte Landaufnahme“ trifft es eher. Denn unser Weg führt jetzt über den einst viertgrößten See der Welt, beziehungsweise dessen letzte Pfützen, die noch übrig sind.
Aber erstmal gehts 600 Kilometer durch Steppenlandschaft. Straße gibts nicht, sondern Piste. Immer entlang irgendeiner Erdgaspipeline. Abschnitte mit Zähneklappern aufgrund des Waschbretts in der Piste wechseln sich ab mit Endorphin-geschwängerten Momenten des 70-km/h-Fahrenkönnens, nur um dann sofort in Hass und weiteres Zähneklappern umzuschlagen, weil das Waschbrett schneller zurückkommt, wenn man schneller fährt. Wenigstens die Landschaft ist Sundowner-würdig.




Die zwei Orte auf der Strecke werden in naher Zukunft auch keine Auszeichnung für besondere Schönheit erhalten: Tankstelle gibts nicht, Tante-Emma-Laden hat zu, Straßen sind leer und der Wind weht den Sand um die Ecke. Erinnerungen an Chinguetti werden wach. Da gabs wenigstens ne Tanke.
Irgendwann haben wir es dann aber geschafft und ein massives Becken öffnet sich vor uns. Am Horizont ist ein blaues Band zu erkennen: Der Aralsee.




Tja, die Sowjets. Da haben sie versucht, die Natur zu beherrschen und die Zuflüsse des Sees auf ihre Felder umgelenkt und die Natur war so: Dann halt nicht. Und trocken war der Aralsee. So die Kurzform der Geschichte.
Heutzutage gibt es einen nördlichen See, der wieder Wasser führt und den südlichen Teil, der größtenteils aus Salz und chemischen Rückständen von Pestiziden besteht. Wenn der Wind aufzieht, wird es Zeit, die Luft anzuhalten. Für das Gewässer im Norden stehen die Chancen ganz gut, nicht komplett auszutrocknen. Der abgetrennte, südliche Teil wird wohl eher eine Lehrstunde für die Menschheit… Wer es glaubt…, aber das ist ein anderes Thema.
Eines haben die Sowjets aber gelernt: Raketen in den Weltraum schießen! Bis zum heutigen Tag gibt es in Kasachstan noch eine kleine russische Enklave mit Weltraumbahnhof: Baikonur. Kommst du nicht rein und sieht bei Nacht aus wie Paris.

Und wenn man Glück hat oder, wie wir, bei schlappen 45 Grad vier Tage lang am Fluss steht und darauf wartet, fliegt auch schon mal so eine Rakete gen ISS.
Näher als 16 Kilometer kommt man ohne zu bezahlen nicht ran und so entgeht einem natürlich das gesamte Feuer-und-Flamme-Spiel beim Start.
Aus der Entfernung betrachtet gibt es einen großen Lichtblitz und die Silvesterrakete startet in den Himmel. Ein paar Sekunden später kommt dann auch der Höllenlärm, den der Start verursacht, an. Nach 25 Sekunden sind Rakete und Lärm vorbei. Es bleibt die Stille der Steppe. Und nur noch 36 Grad Außentemperatur.
Was man dann halt so macht bei den Temperaturen:





Und sonst so?
Kumys schmeckt nicht und massive Hitzeschäden haben schon vor der Wahl der Kopfbedeckung eingesetzt.

Eine Sammlung von Autos darf auch nicht fehlen.



Ach, und dann war da ja noch ein Besuch im Museum. Man will sich ja nicht sagen lassen, nur ignorant durchs Land zu fahren. Dem Gesichtsausdruck nach hat es nicht viel geholfen.

Und einen Abstecher in den 9-Grad-Bergbach gibt es noch zum Abschluss!



Und ja, ihr seht richtig: Berge. Hohe Berge. Mit Schnee. Wir verlassen das flache Land und ziehen weiter nach Kirgisistan.