Kasachstan I – Unerwartet ungewöhnlich

Kasachstan I – Unerwartet ungewöhnlich

17.05.2025 – 23.06.2025

Das erste in einer Reihe von -stan Ländern: Kasachstan. Ein schneller Transit-Sprung durch Russland und die weite, gähnende Leere, die man von Kasachstan erwartet (wenn man überhaupt irgendwas erwartet), liegt vor einem.

Georgien endete bergig, die drei Tage in Russland hätte man auch mit einem Heimataufenthalt in Brandenburg verwechseln können und nun Kasachstan: Kamele im muscheligen Sand, wo einst das Meer war.

Wer sich Kasachstan auf der Karte anschaut, wird bemerken, dass es ein eher großes Land ist. Nicht ganz Russland-groß, aber dennoch sind beachtliche Distanzen zurückzulegen. Auf der Strecke von der Grenze über Atyrau nach Aqtau ist dann auch erstmal nicht viel zu sehen. Blicke bis zum Horizont werden nur unterbrochen durch grasende Kamelherden und das ein oder andere windgebeutelte Dorf am Straßenrand.

Irgendwann ist der Wind jedoch nicht mehr das einzige Geräusch, was wir hören, sondern wird begleitet von einer massiven Vibration im Fahrzeug, die irgendwann nicht mehr zu ignorieren ist. Ein schneller Blick unters Auto bestätigt den Verdacht: Kardankreuz komplett im Eimer. Aber so richtig.

Seit dem ersten Tausch in Maskat plagte uns die Kardanwelle immer mal wieder, weil vor Ort nicht wirklich an eine fachgerechte Reparatur zu denken war. Nach genauer Betrachtung der Welle und kurzer Rücksprache (Danke Simon!) war dann auch schnell klar, dass irgendjemand irgendwo das gute Stück wohl mal zu ruppig behandelt hat und es zu einem Bruch an der Schweißnaht kam. Dass die Kardankreuze nicht mehr lange halten, ist dann auch verständlich.

Ersatzteile haben wir mit und wie es der Zufall so will, haben wir doch tatsächlich an der einzigen „Werkstatt“ im Umkreis von 200 Kilometern angehalten. Der Mechaniker schläft noch, aber seine Schwester, die nebenan das Hotel betreibt, ändert das und eine halbe Stunde später sind wir wieder unterwegs. Immer noch mit kaputter Schweißnaht, dafür mit neuem Kreuzgelenk. Wird schon halten.

500 Kilometer später. Das Kreuz hält. Wir sind am Strand. Stühle raus, Bier raus, Sonnenbrand? Nichts ist.

Auf der einen Seite war der Strand am kaspischen Meer jetzt nicht so zum genießen und auf der anderen Seite haben wir es vorgezogen, uns für Stunden mit der Karre einzubuddeln. So einen losen Scheißsand hatten wir schon lange nicht mehr und so kamen doch tatsächlich die sonst eher als Accessoire durch die Gegend getragenen Sandbleche zum Einsatz. Zum zweiten Mal innerhalb von 100.000 Kilometern und unzähligen Wüsten. Das erste Mal war lustigerweise auch am Strand, in Namibia.

Drei Stunden später und 400 Meter weiter haben wir dann einen Ausweg durch die Dünen gefunden, der gerade noch so zu erklimmen war. Leute auf Instagram und Youtube scheinen sich ja immer zu freuen, wenn sie mal im „Sandkasten“ „buddeln“ können, nachdem sie ihre Karre irgendwo versenkt haben. Gut, dass nicht jeder an Demselben Spaß haben muss.

Mehr Spaß hat dann schon der Einbau einer neuen Kardanwelle gebracht. Prompte Lieferung und ein massives Produkt. Danke nochmal Simon! Seitdem ist Ruhe im Kasten. Beziehungsweise soviel Ruhe wie zu erwarten ist. Gut, dass der örtliche Strandhund den Einbau beaufsichtigt hat. Auch wenn er nicht sehr zufrieden aussieht. Aber ist halt auch ein Hund.

Bis hierhin war das ja ein ganz nettes Geplänkel, dieses Kasachstan. Obwohl Aqtau als Stadt ganz OK ist, ist das sicherlich nicht der Grund, mehrere Tausend Kilometer „Umweg“ zu fahren.

Dieser Grund ist Mangystau!

Ich spar euch die üblichen wahlweise Mars- oder Mondlandschaftsvergleiche, weil das alles Quatsch ist. So geil kann Stein auf dieser Erde sein. Und versiegende Ozeane sind ab und zu auch ne gute Sache. Denn das, was ihr hier seht, ist der Boden des urzeitlichen Ozeans Tethys. Wäre wesentlich schlechter zu sehen, wenn noch Wasser drin wäre.

Das ist wieder so eine Ecke, bei der man nicht viel sagen muss. Anschauen, genießen, bei 40 Grad und mehr ein wenig zerfließen. Der Ozean füllt sich nicht wieder von alleine!

Wie lange die Gegend noch so bleiben wird, steht wie immer auf wackeligen Füßen, denn auch Kasachstan will ein Stück von dieser feinen Touristentorte abhaben. Und wie überall geht dafür erstmal die einigermaßen unberührte Natur drauf. Nicht nur, dass gefühlt jeder Instagram-Reisefotograf dieses Jahr nach Mangystau „eingeladen“ wurde, es sind auch schon die ersten Baustellen direkt am Hotspot sichtbar.

Schöner wird es in Zukunft definitiv nicht. Aber wenn wir mal ehrlich sind, wirds das nirgendwo, sobald der Mensch seine Griffel im Spiel hat. Außer vielleicht in Tschernobyl.

Und sonst so?

Beim nächsten Mal geht es weiter durch Kasachstan – entlang von Seen, die keine mehr sind und doch wieder werden, durch endlose Steppen, zu einem Raketenstart. Und Reisen bei entspannten 46 Grad – Keine Hose, Kein Problem.

Die Kommentare sind geschlossen.