Jordanien
23.03.2025 – 07.04.2025
Geplant war das ja eigentlich nicht. Kann ja keiner ahnen, dass Saudi-Arabien zwar eine massive Grenze mit dem Irak hat, aber keinen direkten Grenzübergang für Touristen. Entweder Jordanien oder Kuwait muss es sein, um in den Irak zu kommen.
Kuwait hat kein Bier und ein Meer. Jordanien hat Bier und zwei Meere. Ein Rotes und ein Totes. Einfache Wahl.
Bier
Kaum über die Grenze gekommen, sind wir auch schon in Akaba gelandet – das Antalya Jordaniens mit einer Prise Polenmarkt. Also einfach nur Antalya. Ramadan war ja nun auch schon vorbei, also schnell mal Bier kaufen. Ja denkste. Stellt sich raus, das mit dem Ende des Ramadans ist nicht so einfach (und nicht überall gleich) und der Großmufti Jordaniens hatte den Mond noch nicht gesehen, also ist immer noch Ramadan. Wer mehr zu dem Prozedere erfahren will, dem empfehle ich Wikipedia. Nun ja, Reisen bildet. Der Bierdurst hat sich nach vier Wochen Saudi-Arabien aber auch gebildet.
Die üblichen Bierverkaufsstellen sind alle zu. Alle? Wie das immer so ist, öffnet sich irgendwann, irgendwo dann doch der sprichwörtliche (und in dem Fall wortwörtliche) Vorhang und da stehste auf einmal im Schnapsregal.
Es ist doch immer wieder dieselbe Story: Nichts ist wie es scheint.
Rotes Meer
Leser der ersten Stunden werden sich eventuell noch an die, gelinde gesagt „interessante“, tauchen-mit-Haien-Nummer in Südafrika erinnern. Hier gibt es zwar keine Haie, dafür normale Fische, klares, ruhiges Wasser und genug versenkte Kriegsmaschinerie, um eine komplette Unterwasserarmee auszustatten. Gute Chancen also auf eine paar normale Tauchgänge.




Die Bilder, aufgenommen mit der Unterwasserkartoffel, spiegeln das zwar nicht ganz wider, aber nehmt mein Wort: Es ist definitiv entspannter im Roten Meer zu tauchen, als irgendwelche Haie zu suchen. Vor allem, wenn es der zweite Tauchgang ever ist.
Totes Meer
Kleines Kontrastprogramm: Tauchen kann man hier vergessen. Schweben ist angesagt! So wie Jesus hier irgendwo in der Nähe. Hat nicht geklappt. Liegen geht gut. 400 Meter unter Null.



Ich würde hier nicht ne Woche All-Inclusive Urlaub buchen, aber für so einen Tag ist das schon ne spannende Sache. Israel und die Westbank auf der anderen Seite und abends fliegt irgendwelche rote Leuchtmunition durch die Gegend. Alles zu Trainingszwecken, wurde uns gesagt…
Kein Wasser
Genug jetzt mit dem Wasser. Wer an Jodanien denkt, denkt sicherlich eher an Staub, Stein und Sand. Und das Wadi Rum liefert genau das. Plus unzählige Touridörfer mit Kuppelzelten, um diese „ursprüngliche Einsamkeit“ zu genießen. Offiziell ist die Gegend weiträumig eingezäunt und es muss Eintritt bezahlt werden, aber naja, Ecken abseits der Hauptzufahrtsstraße werden dann doch noch von den Hirten als Weidefläche genutzt und da machen sich Zäune nun mal schlecht.
Ansonsten ist es ganz nett dort:







Und dann gibt es natürlich noch Petra. Ohne Frage DAS Ding in Jordanien. Beziehungsweise den meisten bekannt aus Indiana Jones (der mit den Nazis und dem heiligen Gral).
Zu Hochzeiten haben in Petra wohl 20.000 Menschen gelebt, größtenteils dank der in der Gegend verlaufenden Weihrauchhandelsrouten.
Doch dann kamen die Römer, und was die nicht plattgemacht hatten, schaffte kurze Zeit später ein Erdbeben und alles was heutzutage zu sehen ist, ist dementsprechend nur ein Bruchteil dieser einst florierenden Stadt. Was es noch zu sehen gibt, ist überraschend vielseitig und wesentlich mehr, als nur die gern fotografierten, in den Sandstein gehauenen Grabstätten irgendwelcher Könige.









Die Bilder geben nicht wirklich wieder, wie schön die Gegend ist, vor allem in den unzähligen Seitentälern, weg von den Hauptattraktionen und Tourimassen. Dass hier eigentlich bis zur Anerkennung als UNESCO Weltkulturerbe noch Leute gewohnt haben, die dann in neue Dörfer in der Gegend umgesiedelt wurden, ist allerdings auch Teil der Wahrheit. Jetzt werden halt weniger Ziegen gehütet, sondern sich mehr als Jack Sparrow verkleidet (weit und breit kein Wasser, aber gut) und den Touris versucht, einen Knopf an die Backe zu tanzen. Der übliche VerkaufsMistmix aus Kühlschrankmagneten, Elefantenhosen und Lederportemonnaies, wie in allen Tourifallen dieser Erde, erwartet euch auch hier. Dazu noch ein bisschen Esel- und Pferdequälerei, die die fetten und faulen Touris durch die Gegend tragen müssen, et voilà fertig ist Jordaniens Tourismusmagnet. In Deutschland wanderst du mit Eseln, hier wanderst du auf ihnen. Der Esel als Uber.
Massentourismus, bzw. Länder, die das als veritable Einnahmequelle sehen, ist und bleibt halt Abfall. Wenn 20% des BIP eines Landes aus dem Tourismus kommen, läuft irgendwas falsch. Touris first, Einheimische weiter unten, Esel knapp danach, dicht gefolgt vom Huhn.
Huhn? Eigentlich wollten wir nur fix zum Fleischer und zu unserer Überraschung stellte sich raus, dass in dieser Fleischerei noch alles lebte. Fragwürdige Umstände, aber andere Länder, andere Sitten. Oder so.

Also los gehts: Huhn aussuchen. Huhn wiegen. Huhn schlachten. Huhn entkleiden. Huhn zerlegen. Huhn eintüten. Huhn bezahlen. Dauer: 2 Minuten. Preis: 5 Euro.
Und damit hören wir hier auch auf. Jordanien, ein feines, kleines Land mit sicherlich noch schickeren Ecken abseits der Standardroute. Wir wollten aber eigentlich nur durch, denn es geht in den Irak!


Soll schön sein dort. Bombenstimmung.
Und sonst so?
Alte römische Ruinen und Oasen in Canyons. Ich sag ja: ein feines Land.






