Georgien – Wintereinbruch
24.04.2025 – 15.05.2025
Wir haben Druck. Zeitdruck. Der Sommer kommt näher und wir wollen dann schon in den -stans sein, um es vor Kälteeinbruch durch die Mongolei zu schaffen. Wir haben zwar meistens keinen Plan was morgen passiert, aber in 6 Monaten nicht frieren zu müssen, ist definitiv eingeplant. Im Irak war es ja schon mal gut mit 45 Grad. Also fix durch die Türkei und ab nach Georgien.
Begrüßt werden wir in der Türkei nördlich vom Vansee dann von Schneeböen. Schon richtig, wir hatten ja beabsichtigt, erst in einem halben Jahr nicht frieren zu müssen.



In Georgien angekommen, geht es direkt mit Panoramen aus dem Reisekatalog los. Gepaart mit Dörfern, in denen der Straßenbau aus Dreck-Geradeziehen besteht, macht das schon mal richtig Spaß.






Und zack sind wir auch schon in Tbilisi. Ihr merkt: Zeitdruck. Aber aus anderem Grund. Wir brauchen das russische Transitvisum, um nach Kasachstan zu kommen, und dafür lässt man sich hier gerne etwas Zeit. Also erst Visum beantragen, dann Georgien anschauen, dann Visum abholen und ab nach Russland.




Tbilisi selber war auch schon mal spannender. Gentrifizierung kennt keine Grenzen. Einheitsbrei Kneipen, Einheitsbrei Musik, Einheitsbrei überall-Kaffee-Lokale. Muss man nicht länger bleiben als ein Fittibesuch.
Doch für die schönen Routen in den Kaukasus im Norden sind wir noch zu früh. Zu viel Schnee liegt nach einem langen Winter auf den Wegen und Straßen warten auf Ausbesserung nach Gesteinsrutschen.
Waschlowani
Im Südosten sieht es da schon besser aus, also gehts in den Waschlowani-Nationalpark, wo sich Schlange, Fuchs und Schildkröte gute Nacht sagen.






Da waren ein paar sehr ordentliche Verschränkungspassagen dabei! Irgendwann gabs dann ein KNACK zu viel und der hintere Stabilisator verabschiedete sich aus der Halterung. Aber kein Problem – der große Hammer und ein Gewindeschneider richten es wieder.


Ansonsten sieht es in der Ecke ein wenig aus wie in den Halbwüsten Spaniens: viel Grau, ein wenig Grün und ein wenig Braun. Und an manchen Stellen ein wenig Schwarz. Schwarz, welches in Form von Erdöl aus dem Boden blubbert. Verwunderlich, dass das mit dem Straßenbau teilweise optional ist, wenn das Zeug hier einfach nur so rumfließt.






Fließen tut hier auch das Bier. Preisgünstige Direktabfüllungen aus Fässern in 1,5 Liter PET-Flaschen gibt es hier in jedem Supermarkt und Tante Emma Laden. Dazu getrockneter Fisch, Brot und Wodka und fertig ist der Kater.





Dafür lässt es sich bei diesem Blick ganz fein aushalten. Der Schnee ist auf richtiger Distanz: Genug Abstand damit niemand frieren muss, nah genug dran um ihn noch sehen zu können.



Werkstattgeschichten
Ansonsten haben wir noch Einen für die Leute, die technisch affin sind:
Alle paar zehntausend Kilometer müssen die Buchsen der Blattfedern neu. Sind einfache Verschleißteile aus Gummi. Normalerweise an der Vorderachse, aber diesmal war eine Buchse an der Blattfeder der Hinterachse durch. An sich keine Raketenwissenschaft, aber wie das immer so ist, steckt der Teufel im Detail. Und in diesem Fall im Herauspressen der alten Buchse. Normalerweise gibt es dafür Abzieher oder man baut sich etwas aus Zeug, was halt so rumliegt: Rohrreste, große Stecknüsse, irgendwas anderes Rundes mit passendem Durchmesser.
Was man nicht macht: versuchen, das 14 mm starke Stahlauge, in dem sich das Lager befindet, aufzuhebeln, um dann das alte Lager rauszupuhlen. Das Einsetzten des neues Lagers wäre dann wohl darin geendet, mit einem ordentlichen Hammer auf das jetzt zu große, schwingende Stahlauge einzuschlagen bis „es passt“. Nachdem der Meißel zum Aufhebeln rausgeholt wurde, musste ich das Ganze dann abbrechen in dieser ach so gelobten „Mercedes Werkstatt“. Naja, jetzt klonkt es noch ein paar Kilometer, bis wir jemand fähigen und willigen finden. Das wird noch ein wenig auf sich warten lassen.

Was nicht auf sich warten lässt, ist Schnee. Natürlich gibt es nochmal Wintereinbruch auf unserem Weg in Richtung Russland. Und so endet Georgien wie es begann: Weiß und Grau.




Fährt das noch?
Georgien ist ja bekannt für die ein oder andere Hinterhofwerkstatt, die, nennen wir es mal recht erfinderisch im Richten von massiven Blechschäden sind. Sieht danach wieder aus wie neu, strukturell könnte man allerdings von der nächsten Windböe zerdrückt werden. Und da sind ja schon so einige Schätze auf der Straße unterwegs.




Und sonst so?
Vor den Kulissen:



Hinter den Kulissen:

Anscheinend besitze ich nur eine Hose, ein paar Socken und ein paar Latschen. Das muss dieser Minimalismus sein.